Rapperlapapp | Der Podcast über Rap Texte Folge 10: Dissy über seine Tracks

In Dissy schlummern zwei Personen, klingt schizophren, ist es aber nicht. Denn der Künstler textet als Rapper Dissy seine Lines und produziert seine Beats als Fynn selbst. Das macht er aber beides aus völlig verschiedenen Ansätzen: als Fynn verarbeitet er die Vergangenheit und ist ein bisschen düsterer unterwegs und als Dissy ist er ganz er selbst, vielleicht sogar ein bisschen naiv.

Ich habe früher Musik gehört, wo das verherrlicht wurde, weil ich wusste, dass meine Mutter sich darüber aufregen wird. […] genau das passiert heutzutage auch. Deswegen hörst du in Modus Mio immer die gleichen Themen,  da geht´s immer um Sex, Drogen und so weiter. Weil die genau wissen: Das sind die Themen, mit denen wir Erfolg haben, weil die jungen Kids es geil finden sowas zu hören.

Künstlerisch, ästhetisch, einfach schön anzusehen sind die Musikvideos des Erfurters. Sie erinnern eher an ein Kunstprojekt, als an das Rapgame. Mit seinen Skills ist Dissy, früher auch als Dissy the Kid unterwegs, weit weg vom Gepose in Markenklamotten oder exotischen Tigern.

In seinen Tracks ballert er euch gern mal ein paar Techno-Beats um die Ohren. Seine Lines sind ernst und ehrlich, aber nie ohne den Augenzwinkerer auszulassen. Aber trotz der Selbstreflexion und den klugen Texten hat sich selbst Dissy in unpassenden Reimen verfranzt. Wie in seinem Track "KMDD" in dem er Holocaustvergleiche in einer Line bringt:

Ich glaube da war ich noch nicht so gebildet wie heute. Ich hab gemerkt, wie unwissend ich war früher. Auch mein Umfeld, wie unwissend das zum Teil heute noch ist. Damals dachte ich vielleicht einfach das ist ein cooler Reim.

Sein Album „bugtape side a“ kam Anfang letzten Jahres, auf die B-Seite der Platte könnt ihr euch im Februar freuen!

Sneakpeak aus dem Podcast:

Line aus "nichts"

Wir könnten Großes schaffen, um den Globus reisen, irgendwo hin wo uns keiner kennt
Aber nichts passiert und wir liegen hier wie Verpackungsrest, den keiner trennt

Lumaraa
Der ganze Song klingt so ein bisschen schwammig, damit etwas passiert, muss man aufstehen und etwas tun!

MDR SPUTNIK nominiert Dissy für den New Music Award 2020.
Bildrechte: MDR SPUTNIK / Presse

Dissy
Es geht ja auch um die Lethargie, die oft in einer Beziehung da ist. Ich nehme in dem Lied gerade die Position meiner Exfreundin ein und ich bin die Person, die abgehauen ist und mehr wollte und etwas Großes reißen möchte. Ich habe das Gefühl in dem Song einfach umgedreht. Deswegen habe ich im Track die Haltung, dass ich alles verdränge und den Moment genieße. Ich habe quasi mehrere Themen in einem Song gebündelt.

Lumaraa
Ja ich kenne das auch, ich werfe auch ganz oft Leute zusammen und richtie den Song nie an eine bestimmte Person.

MDR SPUTNIK nominiert Dissy für den New Music Award 2020.
Bildrechte: MDR SPUTNIK / Presse

Dissy
Beziehungssongs oder Beziehungsthemen haben einen doppelten Boden und in dem Song geht's eben wirklich um die zwei Seiten. Ich kenne beides die Person, die sich nur auf die Beziehung fokussiert und die andere will aber raus und etwas erreichen und größer werden.

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